Schilder

Die Schilder auf der Schloßstraße:
Bildung auf der Straße – Öffentliche reformatorische Theologie für die Gesellschaft

Die Schilder auf der Schloßstraße machen deutlich, dass die Reformation seit ihren Anfängen ein öffentliches Geschehen gewesen ist und die Gesellschaft auf tief greifende Art und Weise bis heute prägt. Um dies darzustellen, waren vom 21.5.2017 bis zum 31.10.2017 20 Schilder an Laternen in der Schloßstraße installiert worden, die sachlich die Folgen der Reformation für unsere Gegenwart benennen. Da es sich nicht um eine Glorifizierung der Reformation handeln soll, wurden sowohl positive als auch negative Folgen vorgestellt werden: etwa der Aufschwung des Bildungswesens, die Spaltung Europas in konfessionelle Lager, die Prägung der deutschen Sprache u.v.a.m. War die agitatorische Zielrichtung vieler Flugschriften zur Zeit der Reformation vor dem historischen Hintergrund verständlich, ist das für uns heute keine angemessene Herangehensweise. Uns ging es darum, die Menschen en passant darüber zu informieren, gleichsam als „Bildung to go“, welche Auswirkungen die Reformation auf ihr eigenes Leben und die Gestalt unserer Gesellschaft hat. Dabei verstehen wir den Beitrag der evangelischen Kirche als einen Beitrag unter anderen, der zwar für uns als Protestanten besondere Bedeutung hat, sich aber in den Kanon einer pluralistisch verfassten Gesellschaft nicht autoritär, sondern diskursiv einzubringen hat. In diesem Sinne möchten wir den Beitrag der Reformation „auf die Straße“ bringen.

„Die einen werden diese orange- und lilafarbigen Schilder lesen und sagen: ja, stimmt – hab ich schon gewusst, schön, dass es jetzt mal alle lesen…. Andere werden diese Texte erst überlesen, dann doch hinschauen, stutzen und nachfragen, ins Gespräch kommen… Wieder andere könnten sie in einer Nacht und Nebelaktion beschmieren, durchstreichen, abnehmen – aber eben auch lesen und sich daran reiben… Diese sichtbare Begegnung mit Erkenntnissen und Entdeckungen aus der Zeit der Reformation wird in jedem Fall nicht neutral und unkommentiert bleiben. „Bildung to go“ wird gehen, unter die Menschen – vielleicht 30.000 Passanten pro Tag. Dieses Angebot begegnet den Menschen auf ihrem Weg, in ihrem Alltag, es zwingt sie zu nichts, es nötigt nicht, es bedrängt nicht, es stellt Informationen und Überzeugungen öffentlich zur Verfügung. Wiederum hat dieser Projektgedanke seit letztem Jahr, seit dieser so ideenreichen Gemeindekirchenratsrüste, hier die Gemeinde miteinander bewegt. Gemeinsam seid ihr intensiv euren Boden, euer Fundament ab- und durchschritten, euren eigenen Glaubenswegen wieder auf die Spur gekommen. Und – so ist zu erwarten, es lädt weiter ein zu fragen: auf welchem Grund stehe ich eigentlich, was hat mich geprägt, was trägt mich: im Leben und im Sterben, wer wird zu mir stehen, wenn ich nicht mehr kann, wenn ich meine, nutzlos zu sein, wer erhört mein Gebet? Denn zu glauben, berührt uns existenziell. Deshalb kann ich es gut verstehen: diese Projekt ist ausgewählt worden – Dieses Projekt hat in der Landeskirche eine breite Wertschätzung erfahren. So ist es bei allen strengen Kriterien, die an Projekte angelegt werden, die dem Ausschuss für den „Fonds missionarischer Aufbruch“ zur Bewertung vorliegen, eine wirkliche Freude: dieses Projekt konnte mit gefördert werden! Und es ist ebenso großartig zu erleben, wie viele Menschen in und um diese Gemeinde herum, dieses Projekt ermöglicht haben und weiter dazu beitragen.

(Aus der Predigt von Pfarrerin Michaela Fröhling zur Eröffnung, Theol. Referentin für missionarischen Dienst der EKBO im Berliner Missionswerk)