Vorstellung des neuen Pfarrers

Interview im Treffpunkt 1/2020

Paulus Hecker – neuer Pfarrer für Matthäus

Herr Hecker, wo sind Sie aufgewachsen? Geboren bin ich in Mannheim. Gut ein Jahr später bin ich mit meinen Eltern nach Indien gezogen und habe dort fünf Jahre gelebt. Meine Eltern sind beide Theologen und haben am Gossner Theological College gelehrt und Pfarrerinnen und Pfarrer ausgebildet. Als ich sechs Jahre alt war, wurde mein Vater Studentenpfarrer in Karlsruhe und meine Mutter dort Krankenhausseelsorgerin. In Karlsruhe habe ich Grundschule und Gymnasium besucht und wurde dort konfirmiert.

Wann sind Sie nach Berlin gekommen? Ein Jahr nach meiner Konfirmation wurde mein Vater Direktor der Gossner Mission in Berlin. Seitdem lebe ich in Berlin. 1989, nach dem Abitur in Wilmersdorf, habe ich mit Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste einen Friedensdienst in Chicago gemacht. Ich habe in einem Obdachlosenheim der Catholic Worker Bewegung gearbeitet. Die Catholic Worker (dt. Katholische Arbeiter) sind eine basisdemokratische, pazifistische Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von katholischen Laien, die in freiwilliger Armut und in Solidarität mit den Armen leben.
Danach habe ich in Berlin Theologie studiert. Im Auslandsstudium war ich ein Jahr in Birmingham und habe dort mit einem Master in Religion and Culture abgeschlossen. Nach dem ersten Examen in Berlin wurde ich Vikar im Wedding. Im Entsendungsdienst kam ich nach Treptow, wo ich jetzt seit über sechzehn Jahren Gemeindepfarrer bin.

Was waren Schwerpunkte Ihrer Arbeit in Treptow? Besonders am Herzen liegt mir der Gottesdienst. Wir haben hier in Treptow alternative Gottesdienstformen ausprobiert. Und wir haben neue Formate entwickelt z. B. für die Osternacht, für die kirchenmusikalische Arbeit mit Kindern, für generationenübergreifende Sommerfeste, für den Dank an Ehrenamtliche und anderes. Die regionalen Konzepte für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Konfirmanden bewähren sich bis heute.

Was möchten Sie gerne von sich erzählen? Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet, meine Frau ist Lehrerin in Lichtenberg. Wir haben eine Tochter, die in Jena Jura studiert und einen Sohn, der in ein paar Monaten Abitur macht. Ich bin noch neugierig und möchte etwas gestalten. Auf der anderen Seite habe ich schon mehr als sechzehn Jahre Berufserfahrung. Das finde ich eine gute Kombination. Mit der Erfahrung in der Gemeindearbeit in Treptow möchte ich in der Matthäusgemeinde neue Zusammenhänge kennenlernen und Dinge ausprobieren.

Was können Sie besonders gut? Ich kann gut improvisieren. Ich gehe gerne mit Sprache um und suche nach einer Sprache in der Gott und meine Erfahrungen im Alltag zusammenkommen. Und ich möchte Menschen inspirieren und berühren. Ab und an gelingt mir das, glaube ich .

Wie sind Sie der neue Pfarrer in Matthäus geworden? Die Pfarrstelle wurde ausgeschrieben. Ich wurde darauf angesprochen. Nach meiner Bewerbung hat das Konsistorium mich für die Pfarrstelle vorgeschlagen. Da es von Seiten der Gemeinde keine Einsprüche gab, wurde ich zum 1. Februar 2020 auf die Pfarrstelle in Matthäus berufen.

Was würden Sie sich für Ihre Arbeit in der Gemeinde wünschen? Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den freiwilligen und beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde. Ich bin gespannt auf ihre Ideen und Vorschläge und hoffe, sie sind auch neugierig auf das, was ich einbringen kann.

Sie bringen auch einen Vikar mit? Das stimmt. Boris Witt, den Sie durch sein Praktikum in der Matthäusgemeinde schon kennen, hat im letzten März sein Vikariat mit mir als Mentor begonnen. Er wird seine Ausbildung mit mir in Matthäus weiterführen.

Welche Frage würden Sie Gott gerne stellen? Oh, da gäbe es viel. Die erste Frage wäre vermutlich: Was wolltest Du eigentlich von mir, als Du mir mein Leben gegeben hast? Gab es einen Plan? Welchen? – das bringt mich gleich zu der Frage: Würde ich Gott duzen? In Gebeten ist das ja selbstverständlich – aber so von Angesicht zu Angesicht?

Was wünschen Sie der Matthäusgemeinde? Was auch immer in den nächsten Jahren geschieht, hoffe ich, dass Matthäus ein Ort bleibt, an dem Gott erlebbar ist und denkbar wird. Ich wünsche mir, dass die Gemeinde mit allem, was sie tut, Gott ins Bewusstsein bringt. Das bedeutet eine Menge Arbeit für die, die sich hier engagieren. Ich wünsche mir, dass es eine Arbeit bleibt, die sie gern machen und dass sie dabei auch das Gefühl haben: Hier bin ich richtig.

Die Fragen stellte Peter Behrendt