Gruß zum neuen Jahr

Brief von Bischof Dr. Christian Stäblein und Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel

Liebe Geschwister, wir grüßen Sie und Euch herzlich im Übergang zum neuen Jahr!

Das Jahr 2020 geht zu Ende. Was es geprägt hat, steht uns allen vor Augen. Es hat uns gezeigt, wie beherzte, gegenseitige Unterstützung und Fürsorge sehr lebendig sein können. Mit ungeheurer Kreativität und mit einem langem Atem haben Sie sich in den vergangenen Monaten nicht zurückgezogen, sondern darauf eingestellt, trotz Abstand Sorge zu tragen für nahe und ferne Menschen.

Ja, wir sind keine mitleidlose Gesellschaft. So sehr dieses Jahr uns unser aller Verletzlichkeit und die Endlichkeit des eigenen Lebens vor Augen gehalten hat, so deutlich leuchtet auch eine Haltung der Hoffnung und der Fürsorge auf.

In diesem Jahr waren und sind wir in dem, was unsere ureigenste Aufgabe ist, besonders gefordert: Etliche von Ihnen begleiten in der Seelsorge Kranke, Pflegebedürftige und deren Angehörige. Im Pfarrdienst begleiten Sie Menschen, die trauern um Lebenspartner*innen, Angehörige, Freund*innen und Kolleg*innen, die an oder mit der Viruserkrankung gestorben sind. Sie stärken die Pflegenden, Ärztinnen und Ärzte und geben den  Erschöpften Mut, weit über die Krankenhäuser, Pflegeheime und Quarantäneunterkünfte hinaus. Wenn wir auf das Jahr 2020 zurückschauen, erkennen wir unsere Verwundbarkeit, aber auch Berührbarkeit.

Das Gotteskind, das unter chaotischen Umständen in die Welt gekommen ist, bringt uns auch über die Weihnachtstage hinaus in Kontakt mit unserer eigenen, tief beunruhigten Seele.

Was das alte Jahr begleitet, wird auch noch länger die Lebensbedingungen im neuen Jahr bestimmen. Mehr denn je werden Mitgefühl und Herz füreinander gefragt sein. Das alte Wort Barmherzigkeit steht mit der Jahreslosung über dem neuen Jahr. Im Namen dieser Barmherzigkeit ist uns aufgegeben, die Hungernden nicht hungrig zu lassen, ihren Durst zu stillen, die Nackten zu kleiden, die Fremden aufzunehmen, Kranke und Gefangene nicht allein zu lassen, für die Toten und die Trauernden zu sorgen. Seid barmherzig! Dazu gehört ein Mehr an Geduld mit den Schwächeren, aber auch ein Weniger an gegenseitigen Verurteilungen. Gottes Barmherzigkeit mit uns lässt uns barmherzig werden. So richtet er uns aus. Barmherzigkeit lässt sich nicht messen wie Impfdosen oder wie geheilte Patienten. Sie lässt sich nicht in Zahlen fassen. Beherzte gegenseitige Unterstützung lässt uns nicht nur gegenseitig wieder zu Atem kommen, sondern könnte 2021 so etwas wie ein neues Normal werden.
Ein Erleben, wie Gottes Herz für uns offen ist, wünschen Ihnen
Ihre
Christian Stäblein und Christina-Maria Bammel